Teuerste Abfallgebühren in NRW? Warum dieses Ranking Münster in die Irre führt
Für diese Ausstattung sind 2026 insgesamt 294,36 Euro zu zahlen. Das sind 436,44 Euro weniger als im Ranking ausgewiesen. Der erhebliche Unterschied entsteht durch die Behältergrößen und Leerungsintervalle, die der Modellrechnung zugrunde liegen.
„Wer den Vergleich liest, muss davon ausgehen, dass ein Vier-Personen-Haushalt in Münster im Jahr mehr als 730 Euro für die Abfallentsorgung zahlt. Das entspricht nicht der üblichen Gebührenbelastung“, sagt Christian Wedding, kaufmännischer Betriebsleiter der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster. „Der hohe Wert entsteht durch die angesetzten Behältergrößen und dadurch, dass der BdSt für Münster aufgrund der wöchentlichen Bioabfuhr 52 statt der im regulären Musterhaushalt vorgesehenen 26 Leerungen einer 120-Liter-Biotonne berücksichtigt.“
Zwei 120-Liter-Tonnen als Modell
Der Bund der Steuerzahler verwendet für seinen landesweiten Vergleich einen einheitlichen Musterhaushalt. Angenommen werden vier Personen sowie jeweils eine 120-Liter-Tonne für Rest- und Bioabfall. Grundsätzlich basiert das Modell auf einer 14-täglichen Leerung beider Behälter. Bei Kommunen mit abweichenden Leerungsrhythmen berücksichtigt der BdSt diese Rhythmen in der Gebührenberechnung.
Für Münster setzt der BdSt NRW folgende Ausstattung an:
- eine 120-Liter-Restabfalltonne mit 14-täglicher Leerung,
- eine 120-Liter-Biotonne mit wöchentlicher Leerung,
- eine Grundgebühr von 36 Euro.
Daraus ergeben sich die im Vergleich genannten 730,80 Euro pro Jahr.
Der einheitliche Musterhaushalt soll Kommunen mit unterschiedlichen Entsorgungssystemen vergleichbar machen. Da der BdSt für Münster neben der vorgegebenen Behältergröße auch den abweichenden Leerungsrhythmus berücksichtigt, stehen in der Rangliste jedoch unterschiedliche jährlich bereitgestellte Behältervolumina nebeneinander. Für Münster führt dies zu einem Wert, der deutlich von der üblichen Gebührenbelastung abweicht.
Modellrechnung setzt mehr als das Dreifache des üblichen Biotonnenvolumens an
Im allgemeinen BdSt-Modell wird eine 120-Liter-Biotonne innerhalb von zwei Wochen einmal geleert. Das entspricht einem bereitgestellten Behältervolumen von 120 Litern.
Da die Biotonne in Münster wöchentlich geleert wird, setzt der Vergleich innerhalb desselben Zeitraums zwei Leerungen einer 120-Liter-Tonne an. Dadurch steigt das zugrunde gelegte Behältervolumen auf 240 Liter. In der Rangliste ist der abweichende Leerungsrhythmus durch eine Fußnote gekennzeichnet. Welche erhebliche Auswirkung die zusätzliche Leerung auf den Münsteraner Jahresbetrag hat, wird in der Rangdarstellung jedoch nicht unmittelbar sichtbar.
Vier-Personen-Haushalte in Münster nutzen dagegen überwiegend eine 35-Liter-Biotonne. Bei zwei Leerungen innerhalb von 14 Tagen ergibt sich ein bereitgestelltes Behältervolumen von insgesamt 70 Litern. Die Modellrechnung legt damit mehr als das Dreifache des üblicherweise bereitgestellten Biotonnenvolumens zugrunde.
Die überwiegend genutzte Ausstattung ist deutlich kleiner
Vier-Personen-Haushalte in Münster nutzen überwiegend folgende Kombination:
- eine 60-Liter-Restabfalltonne mit 14-täglicher Leerung,
- eine 35-Liter-Biotonne mit wöchentlicher Leerung,
- eine Grundgebühr von 36 Euro.
Dafür fallen 2026 Gebühren von insgesamt 294,36 Euro an. Das entspricht rund 6,13 Euro pro Person und Monat. Die Gebühren für die unterschiedlichen Behältergrößen lassen sich mit unserem Gebührenrechner nachvollziehen.
Wir hatten dem Bund der Steuerzahler im Vorfeld mitgeteilt, welche Behälterkombination Vier-Personen-Haushalte in Münster überwiegend nutzen. Für das Ranking hielt der BdSt NRW dennoch an seinem Modell fest.
Kleine Tonnen bleiben im Ranking unberücksichtigt
Kleinere Behälter und bedarfsgerechte Wahlmöglichkeiten setzen finanzielle Anreize zur Abfallvermeidung. Im Ranking wird jedoch weiterhin ausschließlich die vorgegebene 120-Liter-Konfiguration bewertet.
In Münster stehen bereits Behälter mit 35 oder 60 Litern zur Verfügung. Das Münsteraner Behältersystem ist darauf ausgerichtet, die Tonnengrößen innerhalb der vorgeschriebenen Mindestvolumina an den tatsächlichen Bedarf eines Grundstücks anzupassen.
Kleine Behälter schaffen zudem einen finanziellen Anreiz, Abfälle zu vermeiden und Wertstoffe konsequent zu trennen. Für die Platzierung im Gebührenvergleich bleiben diese Wahlmöglichkeiten jedoch unberücksichtigt. Bewertet wird nicht die überwiegend genutzte Ausstattung, sondern ausschließlich der vorgegebene Modellhaushalt.
Münsteraner Jahresbetrag liegt unter dem BdSt-Durchschnitt, ist aber nicht unmittelbar vergleichbar
Für Kommunen mit 14-täglicher Restabfallleerung nennt der BdSt NRW einen Durchschnitt von 320,64 Euro. Die in Münster überwiegend genutzte Behälterausstattung kostet 2026 mit 294,36 Euro weniger. Da beiden Werten unterschiedliche Behälterausstattungen zugrunde liegen, lässt sich daraus jedoch keine unmittelbare Rangfolge ableiten.
Die Gegenüberstellung zeigt dennoch, wie stark die gewählte Modellkonfiguration das Ergebnis beeinflusst: Mit den vom BdSt angesetzten Behältern landet Münster am Ende der Rangliste. Die in Münster überwiegend genutzte Ausstattung führt zu einem deutlich niedrigeren Jahresbetrag.
Warum Gebührenrankings nur eingeschränkt aussagekräftig sind
Kommunale Abfallgebühren lassen sich nur begrenzt über einen einzelnen Modellhaushalt vergleichen. Die Entsorgungssysteme unterscheiden sich unter anderem bei:
- Behältergrößen
- Leerungsintervallen
- Mindestvolumina
- Struktur und Größe des Entsorgungsgebiets
- Leistungen, die bereits über die Gebühren finanziert werden
Ein Jahresbetrag allein sagt daher wenig darüber aus, was Bürgerinnen und Bürger für ihre Gebühren erhalten.
In Münster gehören unter anderem die wöchentliche Leerung der Biotonne, elf Recyclinghöfe sowie die regelmäßige Sperrgut- und Grünabfallabfuhr zum Angebot. An den Recyclinghöfen können zahlreiche Wertstoffe, Elektrogeräte, Sperrgut und Problemabfälle abgegeben werden, vieles davon ohne zusätzliche Kosten.
Die in den Gebühren enthaltenen Leistungen sind keine beliebigen Zusatzangebote, sondern Teil einer verlässlichen kommunalen Daseinsvorsorge. Sie erleichtern die richtige Entsorgung im Alltag und tragen dazu bei, dass viele Haushalte mit kleinen Restabfall- und Biotonnen auskommen.
Kommunale Systeme unterscheiden sich außerdem darin, welche Leistungen angeboten werden, wie häufig sie erbracht und auf welchem Weg sie finanziert werden. Ein Vergleich des Jahresbetrags allein bildet diese Unterschiede nicht vollständig ab. Aus dem Gebührenbetrag allein lässt sich deshalb nicht abschließend beurteilen, wie wirtschaftlich, leistungsfähig oder bürgerfreundlich ein kommunales Entsorgungssystem ist.
Unser Fazit
Wir erwarten keine Sonderbehandlung für Münster. Ein einheitlicher Musterhaushalt kann eine grobe Orientierung bieten. Seine Grenzen müssen jedoch klar erkennbar bleiben.
Für Münster bildet das Modell die übliche Gebührenbelastung nicht ab. Es setzt deutlich größere Behälter und ein wesentlich höheres bereitgestelltes Biotonnenvolumen an, als Vier-Personen-Haushalte in Münster überwiegend nutzen. Während der Gebührenvergleich 730,80 Euro ausweist, kostet die übliche Behälterkombination 2026 insgesamt 294,36 Euro.
„Unseren Service allein für eine bessere Platzierung in einem vereinfachten Gebührenranking zurückzufahren, wäre der falsche Maßstab“, betont Wedding. „Wir wollen wirtschaftlich arbeiten und gleichzeitig ein Angebot sichern, das den Bedürfnissen der Menschen in Münster entspricht.“